Jun 24

Wenn ich in einem neuen Club auflege, ist es für mich üblich, dass ich mich dem Barpersonal vorstelle in dem Raum, den ich beschalle. Einerseits aus purem Egoismus, um immer gut und zügig mit Getränken versorgt zu werden ;) Andererseits aber auch, und das ist das wichtige, sind wir ja schließlich Kollegen für diesen Abend. Wir haben beide die Aufgabe, die Gäste im Club zufrieden zu stellen – ich mit meiner Musik, und er mit seinen Getränken. Außerdem sollte der Barmann Bescheid wissen, wer da gerade spielt, denn es kann immer sein, dass ein Gast sich nach dem DJ erkundigt oder sogar über ihn beschwert.

So war es also auch neulich: ich betrat den Raum, in dem ich später auflegen sollte, machte eine kleine Runde, schaute mir die Leute an und ließ die aktuelle Stimmung auf mich wirken. Dann ging ich zum DJ, der gerade auflegte, und stellte mich als seinen Nachfolger vor. Und dann ging ich zur Bar, um das dort ebenfalls zu machen.

Also sprach ich den Barmann an: “Hallo, ich heiße Paskal und ich habe heute die Freude, ab 5 Uhr bei euch für die Musik zu sorgen!” Gleichzeitig hielt ich ihm eine Visitenkarte hin. Er schaute mich komisch an, verzog das Gesicht und sagte “Na dann Glückwunsch. Was willst du von mir?” – Mir blieb erstmal ein bißchen die Spucke weg und dann antwortete ich “Ich wollte mich vorstellen, immerhin sind wir Kollegen heute Abend.” Daraufhin bekam ich mein Getränk, erst dann langsam stellte sich ein kleines bißchen Freundlichkeit bei dem Kollegen ein.

Ich dachte eine Weile über diesen Vorfall nach. Warum war ich auf diese Ablehnung gestoßen? Es konnte dafür nur einen Grund geben: mein Gegenüber hielt mich für einen Angeber und dachte, ich will mich mit der Visitenkarte aufspielen. Er vermutete sofort, dass ich ein oberflächlicher Spinner bin. Dass ich nur höflich und menschlich sein wollte, indem ich mich bei ihm vorstelle, das kam ihm nicht in den Sinn. Und ich war traurig. Ich dachte mir “Wie weit sind wir denn gekommen, dass wir in unserem Gegenüber immer nur das Negative vermuten und gar nicht in Betracht ziehen, dass jemand ganz normal und höflich sein kann.

Beim transgenialen CSD in Kreuzberg traf ich durch Zufall einen anderen Mitarbeiter dieses Clubs, der an dem Abend auch dort war. Ich erzählte ihm von dem Vorfall, nicht um mich über den Barmann zu beschweren, sondern weil mich interessierte, wo diese Einstellung herkommt. Und er lieferte mir eine schlüssige und zutreffende Erklärung: Die Szene ist voll von Wichtigtuern, die behaupten irgendwer zu sein oder irgendwas tolles zu machen und sich fürchterlich wichtig nehmen. Und im Laufe des Abends wird das Barpersonal von 1000 Leuten angesprochen, die Freigetränke wollen weil sie die Klofrau kennen oder sonstwas.

Und er hat recht. Die gleiche Beobachtung habe ich auch gemacht: Die Szene ist voll von Menschen, die selber nichts produktives auf die Beine stellen, sondern sich in der Popularität Anderer sonnen und sich damit schmücken. An erster Stelle sind die Jungs, die Flyer verteilen. Viele, die für beliebten Club Flyer verteilen, platzen vor Stolz und denken, sie seien die wichtigsten Menschen auf der Welt. Sie merken nicht, dass sie belanglos und austauschbar sind, und dass sie nur “beliebt” sind weil die Leute an Freikarten kommen wollen. Vielleicht merken sie es doch, aber es ist ihnen egal, sie fühlen sich geschmeichelt weil sie Aufmerksamkeit bekommen. Viele von denen haben im Leben nichts geschafft, sind Versager. Und endlich mal bekommen sie Aufmerksamkeit. Und sie werden sofort arrogant und laufen in der Szene rum, als ob ihnen der Laden gehört.

Genauso ist es auch mit anderen “Fans” in der Szene, die sich um bekannte Personen herumscharren und ihnen nach dem Mund reden und Komplimente machen. Und die sich damit brüsten, jemanden “persönlich” zu kennen, oder “schon oft ohne Make-Up” gesehen zu haben oder “seine Nummer” zu haben. Diese Typen tun mir leid. Denen kann ich nur sagen: get a life!  Werdet erwachsen und fangt endlich mal an, selber was zu leisten. Selber was zu tun, worauf ihr stolz sein könnt!! Und hört auf, euch mit der Popularität Anderer zu schmücken. Denn so seid ihr nichts anderes als Parasiten, die irgendwann sterben ohne dass jemand jemals wieder an sie denkt und die keine eigenen Spuren hinterlassen haben.

Das gesagte betrifft aber NATÜRLICH nicht alle Flyer-Verteiler oder sonstige. Viele von ihnen sind auch sehr nett und machen einen tollen Job (Gruß an Martin!). Ob jemand in die von mir beschriebene Kategorie fällt oder nicht, muss jeder selber für sich entscheiden. :)

4 Responses to “Neulich beim Auflegen in einem Berliner Club”

  1. Ralfi sagt:

    Paskal, deine Beobachtung finde ich interessant und die Erklärung vom Clubmitarbeiter nachvollziehbar. Dein Vorgehen ist natürlich trotzdem das Richtige und ich hoffe, du lässt dich durch solche Erfahrungen nicht davon abbringen.

  2. admin sagt:

    Hallo Ralfi, danke für deinen Kommentar :-) Natürlich lasse ich mich nicht davon abbringen. Vielmehr werde ich versuchen, noch “natürlicher” aufzutreten, sodass vielleicht meine Absichten klarer erkennbar werden.

  3. Mike Farris sagt:

    Ach Paskal, das hätte ich Dir in ein paar Sätzen auch sagen können (wenn Du mich gefragt hättest) ;)
    Und mal intensiver drüber nachgedacht, auch wenn aus Freundlichkeit angenommen,was soll ein Club-Barkeeper, der an jedem seiner Arbeitsabende 4-6 Djs auflegen hört, mit dieser Karte anfangen? Sie an die Pinnwand nageln?
    Der prägendste Eindruck wird nur durch deine Mucke und durch Dein Auftreten hinterlassen und nicht durch ein Stück Papier!

    Und auch das musst Du in einem Club mehrmals beweisen!

    Viele Grüße

    Mike

  4. admin sagt:

    Hi Mike! Danke für deinen Kommentar :-)

    Die Karte habe ich dem Barkeeper überreicht, damit er sie sich vll. hinter die Bar legen kann, damit er auf evtl. Fragen von Gästen antworten kann (ich weiß nämlich, dass mein Name nicht so einfach zu merken ist, und ich frage selber erstmal an der Bar nach wenn ich einen DJ irgendwo höre, den ich nicht kenne).

    Das ist aber eigentlich auch völlig egal. Er hätte auch einfach “Danke” sagen können und sie dann später wegschmeißen können. Es ging mir eher um den Höflichkeits-Aspekt bei dem Ganzen und seine Arroganz in dem Moment. Immerhin bin ich der DJ und mache einen Schritt auf ihn zu. Ich poche sicher nicht auf irgendwelche Hierarchien oder so, aber ich stand auf dem Poster und ich habe die Musik gemacht für die ich gebucht wurde, während er problemlos durch einen anderen Barkeeper ersetzt werden kann, der exakt die selben Flaschen rausgibt und das selbe Bier zapft wie er.

    Aber, wie ich bereits geschrieben habe, gebe ich nicht ihm persönlich eine Schuld sondern ich finde es einfach insgesamt ein bißchen traurig, dass die Szene (und besoders die schwule) auf Oberflächlichkeiten aufbaut, die ein kollegiales Miteinander erschweren. Und ja, das wusste ich auch vorher schon, aber an dem Abend habe ich es leider sehr plakativ erlebt.

    Lg Paskal

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