Neulich hatte ich wieder eine dieser Diskussionen über die gute alte Zeit, als die DJs mit Schallplatten aufgelegt haben. Dabei fielen Schlagworte wie “ehrliches Mixen”, “Flair”, “Charakter” und “jeder Affe kann heutzutage”.
Um es vorweg zu nehmen: ich habe nach wie vor meine zwei 1210er im Setup und meine 10 Jahre lang aufgebaute Plattensammlung werde ich sicher nicht verscherbeln. Beatmatching habe ich nicht verlernt, und ich habe immer eine gewisse Anzahl an CDs griffbereit, um im unwahrscheinlichen Fall eines Macbook-Absturzes beim Auftritt auf CDs umsteigen zu können. Ich beherrsche also das gute alte Handwerk.
Ja, mit Platte auflegen hat Stil, ohne Frage. Es sieht cool aus und es ist eine Technik, die man ernsthaft trainieren muss. Das allein ist also eine Hürde, welche früher dafür gesorgt hat, dass nur Menschen, die es WIRKLICH wollen, damit anfangen. Das Equiment ist nicht billig (Grüße an meinen Vater an dieser Stelle, der getobt hat als er herausgefunden hat, dass ich vor 11 Jahren das Geld, das eigentlich für mein Studentenwohnheim bestimmt war, stattdessen in Plattenspieler und Mischpult investiert habe). Platten sind auch nicht billig – und wer es noch nicht wusste: Platten sind eine eigene Währung! Ich habe jedenfalls während meines Jahres in London damals die Britischen Pfund im Kopf nicht in Euro umgerechnet, sondern in Schallplatten. 20 Pfund in der Tasche waren für mich = 3 Platten. Es war für mich Routine, “meine” Plattenläden in Soho alle 10 Tage zu besuchen – Mad Records für Trance, Trax Records für Funky House, und ein paar mehr. Nach einer gewissen Zeit war mein persönlicher Geschmack bei den Verkäufern bekannt, sodass sie selbstständig einen Stapel Platten raussuchten, der für mich in Betracht kam. Das einzige Problem war, dass das Geld meistens nicht reichte um sie alle mitzunehmen, man musste also selektieren. Und es war verdammt cool, an einem der Turntables im Laden zu stehen und die Tracks anzuhören, während von draußen neugierige, bewundernde Blicke von den vorbeigehenden Leuten hereinfielen. Und dann die Whitelabels! Tracks, die noch nicht veröffentlicht waren, wurden als Test-Pressung in limitierten Auflagen herausgegeben. Ich kann mich genau erinnern: als ich im Club Peach zum ersten Mal einen gewissen, wunderschönen Track hörte und mich bis über beide Ohren in ihn verliebte, nannte mir der DJ als Titel “Darren Tate – Opera”. Am nächsten Tag klapperte ich alle Läden in Soho ab, auf der Suche nach diesem Track. Nirgends gab es ihn und es machte mich wahnsinnig. Was ich nicht wusste: dieser Titel wurde erst ein halbes Jahr später offiziell veröffentlicht, auf dem Papier gab es ihn also noch gar nicht. In Foren wurde über diesen Titel spekuliert und ich wurde rasend weil ich diese Platte wollte! Spontan kam mir eine Idee: Ich schrieb eine E-Mail an Darren Tate persönlich, und sein Manager schickte mir ein Exemplar dieser Platte als Whitelabel! Die Freude war unermesslich und ich hörte bestimmt 5 Stunden lang nur diese Platte rauf und runter. (n.b. die Platte wurde später unter dem Decknamen Jurgen Vries und dem Titel The Opera Song veröffentlicht). Dieses Whitelabel ist immer noch eine meiner liebsten und mir wertvollsten Platten.
Trotzdem hat das Auflegen mit Schallplatte auch technische Nachteile. Zunächst einmal haben sie ein großes Gewicht (nach meinem Jahr in London hatte ich einen Haltungsschaden und mein Arzt wunderte sich darüber, dass offensichtlich meine rechte Körperhälfte deutlich mehr belastet worden war als die linke). Dann ist die Anzahl, die man zu einem Gig transportieren kann, limitiert und das Packen der Plattentasche war eine Qual. Und dann das Staubkorn unter dem Tonabnehmer, das ausgerechnet immer im besten Moment plötzlich zuschlägt und die Nadel mit einem lauten Swoosh von der Platte fegt. Oder der Fan, der sich über das DJ-Pult beugt und mit seiner um den Hals baumelnden Trillerpfeife den Tonarm verschiebt oder ans Pult stößt, sodass die Nadel springt. Jaja, das waren noch Zeiten. Und ja, das hat alles Charakter und es macht das Auflegen “menschlich” und real. Das bestreite ich gar nicht.
Die digitale Revolution hat dazu geführt, dass die Musik in die Breite gegangen ist. Einerseits gibt es viel mehr Tracks als früher, da die finanzielle Hürde des Plattenpressens nicht mehr so vorhanden ist und mehr Schrott veröffentlicht wird als früher. Gleichzeitig kann jeder mit einem Laptop Musik zusammenmischen und sich DJ nennen – dank Sync button geht das wirklich viel einfacher als früher. Das ist keine Kunst…
… – oder doch? Ich sage: es kommt darauf an. Der einzige Faktor, der weggefallen ist, ist der handwerkliche Aspekt des ganzen, der Rest ist aber gleich geblieben. Einen guten DJ zeichnet nicht aus, dass er zwei Tracks auf die gleiche Geschwindigkeit bringen kann, sondern ob er ein Gespür für die Musik hat und für die Situation. Erfahrene DJs brauchten nicht mehr als 30 Sekunden für das Beatmatching – das ist im digitalen Zeitalter weggefallen. Das ist aber auch alles! Ansonsten ist es nicht anders. Das Timing muss trotzdem stimmen, die Basslines dürfen nicht kollidieren, das Set muss richtig aufgebaut werden, Flexibilität und Gespür sind immer noch genauso wichtig wie früher. Ein Amateur mit einem Laptop kann das alles nicht – ein Profi mit einem Laptop aber schon. Es ist vergleichbar mit Autos: Automatik oder manuelles Getriebe. Klar hat ein Autofahrer beim manuellen Schalten mehr zu tun, alleine das Spiel mit der Kupplung will gelernt sein. Aber irgendwann sitzt das wie im Schlaf und dann ist es Nebensache. Alle sonstigen Qualitäten eines Autofahrers, wie vorausschauende und umsichtige Fahrweise, kluges Einsetzen der Bremsen, Rücksichtnahme, Sicherheit, Koordination beim Lenken etc etc – das alles ist völlig identisch bei beiden Arten und diese Dinge sind es, die einen guten Autofahrer ausmachen.
Ich sehe das digitale Zeitalter als Chance. Das Umfeld ist schwieriger als je zuvor – aber das ist die Chance, sich abzusetzen. Ich kann so kreativ sein wie nie zuvor. Ich kann in meinen Techno-Beat einen Track von Peter Fox mischen, obwohl er einen völlig anderen Rhythmus hat – dank timestretching und manueller Tonhöhenkorrektur passt er dann nicht nur vom Takt sonder auch von der Harmonie perfekt. Den Refrain loopen und mit Effekten verzerren – geiler geht’s nicht und der Aha-Effekt ist groß. Darum geht es: die neuen Werkzeuge kreativ einsetzen! Denn das ist es, was mich abhebt von den ganzen “Affen mit Laptop”: ich bin musikalisch und kreativ und es ist für mich ein Segen, dass ich mich mit synchronisieren nicht mehr aufhalten muss, sondern meine loops und tracks on the fly und völlig spontan manipulieren und neu zusammenbauen kann. Und das ist erst der Anfang, mehr verrate ich noch nicht
Der Spruch “Du bist kein DJ sondern ein Jugendlicher mit einem Mac” hat sicher einen wahren Kern. Es gibt viele Möchtegern-DJs, die aber langfristig keinen Erfolg haben werden. Auch in der heutigen Zeit (oder gerade in der heutigen Zeit) ist Qualität und Tiefgang wichtig und erforderlich. Echte DJs brauchen also keine Angst zu haben vor ein paar Kids mit Laptop. Im Umkehrschluss: DJs, die sich ernsthaft von diesen Kids und vom Sync-Button bedroht fühlen und ihre Hauptaufgabe im Beatmatching sehen, sollten ihre Qualitätsstandards überdenken. Ein guter DJ braucht sich nicht vor dieser Konkurrenz zu fürchten.
Führt die Tradition des DJs weiter, indem ihr euch darauf besinnt, warum ihr DJ geworden seid. Nehmt das als Basis für die Weiterentwicklung. Denn richtigerweise heißt es:
“Tradition ist nicht die die Bewahrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.”





Oha, die neverending Story. Wobei ich doch denke, dass sich das Problem in (naher?) Zukunft erledigt haben wird. Einfach durch den “Generationenwechsel”.
Klar, die “früher war alles besser” Spackos waird es immer geben. Aber nach und nach werden sie aussterben, oder einfach daheim bleiben weil zu alt.
Schön umschrieben jedenfalls! Weiter so und nicht unterbuttern lassen
Florian… deine Ausdrucksweise ist nicht behilflich deine Generation in ein gutes Licht zu rücken. Man kann sich auch Artikulieren ohne beleidigend zu werden.
Hab grad gesehen das du ungefähr so alt bist wie ich. Also formulier ich das mal um. Du bist nicht behilflich UNSERE Generation in ein gutes Licht zu rücken
Ja, mit’m Laptop kann man schon geile Sachen machen, aber wenn ein Track auf Vinyl rauskommt, ist das für mich ein Qualitätsmerkmal. Auf Vinyl kommt zwar auch Schrott raus, aber nicht so viel wie als mp3.
Und: Beim Vinylmixen hat man wie schon richtig bemerkt, nur ca 20 – 30 sec. mit dem Beatmatching zu tun. Übergangs-Timing ist bei ausreichend Erfahrung ebenfalls Gefühlssache, ergo: Man hat mehr Zeit, sich mit dem Publikum zu beschäftigen und sich auf die Trackauswahl zu konzentrieren. Das kommt bei FAST ALLEN Laptop DJs zu kurz (persönliche Erfahrung & Meinung). Da werden die tollsten Loop/Cuepoint Spielereien gemacht, aber das interessiert auf dem Dancefloor keine Sau wenn beim nächsten Übergang die Energie um 50% oder mehr abfällt einfach aufgrund der schlecht gewählten Folge-Platte. Wenn man Vinyl auflegt, kann man sich weniger Tracks leisten (es sei denn, Daddy gibt das Geld) und das führt unweigerlich dazu, dass man seine Tracks besser kennt.
my 2 cents
“Ja, mit’m Laptop kann man schon geile Sachen machen, aber wenn ein Track auf Vinyl rauskommt, ist das für mich ein Qualitätsmerkmal. Auf Vinyl kommt zwar auch Schrott raus, aber nicht so viel wie als mp3.”
Dazu sollte man sagen: inzwischen kommt nicht mehr so viel Schrott auf Vinyl raus; mal ernsthaft: was noch vor 8-10 Jahren an gnadenlosem Schrott auf Vinyl veröffentlicht wurde, das ist schon irre.
“Wenn man Vinyl auflegt, kann man sich weniger Tracks leisten (es sei denn, Daddy gibt das Geld) und das führt unweigerlich dazu, dass man seine Tracks besser kennt.”
Das ist ein Punkt, aber wer sich zu Hause die Zeit nimmt um Cue Points fest zu legen, Stellen für Loops rauszusuchen und einfach generell trainiert und regelmäßig seine Tracks hört, kennt auch seine MP3-Sammlung gut. Klar hat man irgendwann 5.000 Tracks auf dem Rechner. Aber ich hab auch 2.000 Platten zu Hause stehen und es fühlt sich nur an als würde man halt eben zu Hause auflegen.
Und schrottige DJs gabs früher schon und wird’s immer geben.
Ich muss dem Autor recht geben. Es kommt darauf an wie man Musik lebt und ein Set aufbaut. Das ist die wahre Kunst. Ich selbst lege zu 100% mit Vinyl auf, obwohl die digitale Variante die Preisgünstigere für mich wäre. Ist einfach mein persönliches Hobby, In den Plattenladen und bewusst Tracks einkaufen. Aber dennoch habe ich festgesetellt dass es digitale DJs gibt die wirklich schöne Sachen machen. einfach weil die technischen möglichkeiten da sind. Und auch da gibt es wieder richtige Könner, die trotz angleichen und loopen und was weiss ich noch genug Zeit haben für ne gute Track auswahl und Publikumskontakt. Ich glaube auch ein digitaler DJ kann eine Qualtätsauswahl bei mp3s treffen. Letztlich spielt man eh das was einem persönlich gefällt. Das ist es doch, was den Unterschied ausmacht.
Ich passe das meistens an die Veranstaltung an, wenn nicht genau klar ist, was einen erwartet ist es vermutlich schon besser einen Laptop dabei zu haben. Man ist flexibler und kann auch mal einen eigenen Track oder Spezialitäten aus dem Netz darbieten. Wenn man die Wav datei herbekommt, noch besser. Das ist schon super.
Es gibt natürlich da auch Sachen die mich tierisch nerven. Die Umstöpselei, besonders wenn mehrere Dj´s auflegen ist ätzend und wenns dann auch nicht gleich läuft. bahh
Ausserdem ist mir Aufgefallen, sobald da ein Laptop steht, kommen mehr Freaks an und wollen sich Tracks wünschen oder ihre e-mails lesen . ; ) Wäre mal interessant darüber nachzudenken, ob das Digitale Zeitalter den Status des DJ´s verändert hat. … möchte mal das Wort “respekt” in den Raum stellen….. Ich glaube da hat jeder so ein paar Anekdoten zu erzählen.
Und die Bildschirmglotzerei,,, naja …. Man kann auch mal was anderes machen.
Vinyl ist schwer, kostbar und limitiert. yo. Das ist halt eher so ein Sammler Ding. Da is irgendwie ein größerer persönlicher Bezug da. An die Scheiben ranzukommen, zu forschen, leute anschreiben usw…. Das gefällt mir…. Jäger & Sammler ; ). Irgendwie kommunikativer.
Mp3´s verschwinden schnell im Überangebot. Platten holt man nach 20 Jahren raus und denkt sich…. YEAH
Klar wir leben im Jahre 2013 und trotzdem ist die Entwicklung traurig, da sich jeder Bauer seinen Traktor kaufen kaufen kann und manch ein Club so, durch geldgeile Promoter mit Schauspielern überschwemmt wird!
EINE ZUNFT STIRBT AUS, AUFLEGEN WIRD ZUM MAINSTREAM!
Wer dass Auflegen liebt und leben will, der nimmt sich die Jahre dafür um es zu lernen, um -wie es im Text steht- ein Gefühl für die Musik und der Crowd zu mit-zuentwickeln!
Und jene, die immer wieder und überall betonen, dass das Thema ein Bart hat, haben sicher ihre speziellen Gründe dafür
@Florian: Blödsinn! Hat mit “Generationenwechsel” nix zu tun!
Kenne genug (junge) Leute, die sich bewusst für’s lernen an Plattenspielern entscheiden.
Wessen Lieblingslied dies hier ist http://www.youtube.com/watch?v=vQC-HVsB7Gc , mit dem muss ich nicht weiter über das Auflegen reden, oder?
[Anmerkung des Admins: Antwort folgt weiter unten]
Johannes..deine Zurechtweisung ist ziemlich infantil und unglaubwürdig weil Du dich damit bildungstechnisch über ihn stellen willst und damit im Subtext selbst beleidigend, klassistisch, wirst… Du bist dabei nicht gerade behilflich Bildung, Aufklärung, Verständnis und Moral zu fördern sondern stellst ein allgemein gesellschaftliches Problem dar das beweist dass kleine, verzogene Rotzlöffel immer kleine, verzogene Rotzlöffel bleiben werden
@Peter: Die Vocals kamen erst später dazu als es kommerziell wurde.
Ursprünglich war es nur eine Instrumental-Version, die so klingt: http://www.youtube.com/watch?v=iyVsckynuBU
Hier ein Beispiel von meinem letzten Gig am Samstag:
Wir waren 3 DJs am Abend, wovon ich die einzige mit Vinyl war. Bei mir war alles Super und ein geiler Sound der Die Hütte vibrieren lies. Beim zweiten ( Traktor) dj gab es dann schon einen gewaltigen und auch fürs Publikum hörbaren Qualitätsverlust. Es waren geile Tracks, jedoch kam nix von dem vibe auf dem dancefloor an, da es viel zu leise war und auch aus dem subwoofer nicht so richtig was rauskam.
Der dritte und letzte dj übernahm. Er hatte gecheckt, dass es etwas lauter werden müsse. Doch nun blächerten die Höhen so dermaßen auf mich ein, dass die Ohren schon weh Taten.
Zu allem Überfluss stürzte sein Laptop noch dreimal ab, da ich die einzige mit Platten war und nicht einer der digital DJs eine ersatzplatte dabei hatte, musste ich nun jedesmal zum dj Pult eilen und eine Platte auflegen. Und siehe da: ein klarer Bass und angenehme Höhen und mitten kamen raus
Pascal spricht mir irgendwie aus der Seele – ein guter Artikel!
Ich lege seit den frühen 80ern auf und bin auch als Musiker und Produzent lange aktiv. Den Rechner nutze ich seit ca. 2001 als Bühnentool – anfangs im Ping-Pong mit CD + Plattenspielern,
ab 2003 dann mit 2 Rechnern, Ableton Live und synchronisierten visuals mit arKaos…
Für mich hat die Laptop-Ära die Möglichkeiten der Musik- und Studioproduktion unmittelbar auf Bühne und floor gebracht, denn zuvor war das ein ziemlicher Akt und mit viel teuerer Hardware-Rumschlepperei zu tun…nun konnte ich flexibel meine eigene Musik im Mehrspur-Verfahren live mit und zum DJ spielen…warum auch nicht umgekehrt bzw. zusammen ?! Also fing ich an, mit Ableton und DJ-Techniken zu experimentieren, und habe dies mehrfach z.B. auf der Musikmesse live bei M-Audio und Ableton aufgeführt – da galt das noch als “live act” – nun verwischen die Grenzen zwischen Live-Act, DJ- Lichtgestalter und VJ, und bei vielen scheint dies Unsicherheiten zu generieren, denen sie mit Ablehnung begegnen…
Mir geht es unter´m Strich darum, gut unterhalten zu werden,
und wie das nun von DJs u.a. “mediengestaltenden Künstlern” bewerkstelligt wird, ist mir persönlich egal – jeder sollte idealerweise traumwandlerisch sicher mit seinem/ihren Medium der Wahl gute Unterhaltung oder gar mehr bieten können, dann wird auch alles gut…sonst landen wir von der Denke her zu sehr auf dem Leistungsgedanken…hier geht es doch nicht um “sportliche” Aspekte, sondern um Kunstformen – und diese stehen für mich nebeneinander und passieren gleichzeitig in einem Zeitalter des Übergangs…
Als die ersten Stromgitarren erfunden wurden, gab es auch einen grossen Aufschrei der Wertkonservativen, die darin den Untergang des Abendlandes und Verrohung sahen…de Facto hat dies aber nicht klassiche Gitarrenmusik ersetzt, sondern Neues gedeihen lassen…
Ich finde, wir sollten uns nicht gegenseitig ideologisch zerfleischen. Macht einfach, was ihr wollt – aber macht es gut
Sorry, aber die Version ist auch nicht besser. Nunja.
Auflegen war früher auch schon Mainstream. Mitte der 90′er hatte jeder zweite Partygänger (“Raver”) seine zwei 1210er daheim stehen und versuchte sich als Deejay. Bei den meisten blieb es beim Versuch und irgendwann verschwanden auch die Turntables wieder. Es war natürlich um einiges teurer, als sich heute einen Laptop zu kaufen und mp3′s abzuspielen und sicher kommt deshalb heute die große Masse an mehr oder weniger guten Dj’s zu stande. Es ist einfach heute mehr Geld in den Taschen der jungen Leute. (Wenn ich da an mein erstes Lehrgeld denke…)
Eigentlich hat sich also nicht soviel verändert, nur das Instrument ist ein anderes geworden. Schlechte Dj’s hat es immer gegeben und das wird auch so bleiben. Wahrscheinlich ist es eher der Ruhm und das viele Geld von Nasen wie Tiesto, Guetta und van Dyk, was die Leute heute träumen und an die Laptops treten lässt. Deshalb kommt eben auch soviel Bockmist dabei heraus, wenn man sich solche musikalischen Vorbilder sucht. Was soll’s? Wenn mir das nicht passt, bleibe ich dem Ganzen einfach fern. So einfach ist das.
Mal ganz ehrlich: Techno ist doch heute nur noch ein großes Zitat. Die Kraft früherer Tage wird diese Musik nie wieder entfalten können (“You can’t repeat the first handshake”) und das ist das, was im Grunde viele der alten Hasen nervt. Mir geht das teilweise auch so, aber ich muss mir eben eingestehen, dass diese Musik ihre große Zeit hinter sich hat. Doch ich kann wohlwollend und glücklich auf die Anfänge zurückschauen, denn die Gefühle von damals kann mir keiner mehr nehmen.
Was können die jungen Leute von heute dafür, dass sie eben nicht mehr automatisch mit den frühen Sachen aus Detroit, Chicago, London oder New York aufwachsen? Ich kann nicht verlangen, dass sich die neue Generation erst jahrelang durch die Ursprünge forstet, um sich dann dem Geschmack der alten zu unterwerfen. Das muss man einfach akzeptieren. Es hilft eben auch nicht, wenn sich der sogenannte “Underground” heulend daheim einschließt und dann Musik produziert, die wie 1991-95 klingt. Das hilft keinem weiter. “Weitergeben der Glut anstatt die Asche zu beweinen”, müsste das Gebot der Stunde sein. Und neue Wege zu beschreiten. Techno war doch immer eine Musikrichtung, die experimentierfreudig war, sich auch mal verrannt hat, aber eben alles zuließ. Das fehlt mir heute ein wenig.
Ich bin da aber durchaus optimistisch, denn es hat immer Menschen gegeben, die vom bloßen Zitat weggekommen sind und etwas Neues und Unerhörtes geschaffen haben. Welches Medium dieses dann transportiert, ist mir ehrlich gesagt egal.
Wenn am Ende der Dj mit Herzblut und Spaß bei der Sache ist, ein Gespür für die “Vibes” des Publikums besitzt und seinen Stiefel durchsetzt, anstatt auf irgendeinen Massengeschmack zu hören, dann wird die Musik vielleicht wieder zu der Kraft zurückfinden, die sie einmal hatte.
So, Plädoyer beendet.
[...] http://www.paskaltzellos.com/2013/01/gedanken-eines-laptop-djs/ beatmatching laptop mp3 vinyl [...]
Ich mache hier einfach total dreist Werbung für mich.
Los gehts: http://www.soundcloud.com/mrgetfunky
feel good House. Hörts euch an und ihr wisst was ich meine.
@MrGetFunky: Irgendwie kann ich mich ja fast geschmeichelt fühlen, dass jemand überhaupt auf die Idee kommt, meine Seite als Medium für seine Werbezwecke zu nutzen – crazy!
Es beharren auch wirklich nur noch die Leute auf Vinyl, die sonst keine andere Chance haben sich von der Masse abzusetzen…
Hey,
Danke für den tollen Beitrag… Du sprichst mir aus der Seele!
@leela – Da ich relativ viel auf Veranstaltungen mit excellenten Soundsystemen unterwegs bin, kann ich den Allgemeinplatz das MP3s automatisch schlechter klingt nicht ganz nachvollziehen… hier bei uns kommen alle möglichen Systeme zum Einsatz: Vinyl, CD, CDJs mit USB, wavs, MP3s… wenn alles gut eingestellt ist und die Medien eine entsprechende Qualität haben, wirst Du keinen Unterschied hören… schlecht gemasterte Vinyls hab ich auch jede Menge..
@Gabriel Le Mar – Danke das auch ein bekannter Name hier seinen “Senf” dazu gibt, noch dazu sachlich!
So, das wars mal von mir…
Is ja Alles schön und gut und ich stimme dem ja auch zu, aber trotzdem wird eine gepresste oder auch geschnittene und and der Maschine gemasterte Platte vorerst noch besser klingen als ein digital simuliertes Signal aus einem Interface. Neue Techniken und Ideen die man aus der digitalen Welt schöpft werden somit auch in der Zukunft nicht den FETTEN SOUND von Platten ersetzen können. Also heißt es wieder mal Prioritäten setzen, wobei Ich meine schon längst festgelegt habe
Ich lege seit über 15 Jahren auf und habe ebenfalls als Teen all mein Geld in Vinyl und die Turntables gesteckt. Nach einem kleinen Umweg über ScratchPro lege ich inzwischen vollständig digital mit nem Controller auf. Mein Fazit: Was zählt ist, ob der Abend egal oder unvergesslich wird. Auf der Tanzfläche interessiert es niemanden, welcher Technik ich mich bediene.
Ich hab ’94 meine Plattenspieler gekauft, da damals gebrauchte Mks massiv günstiger waren als diese komischen neuartigen CD Player für DJs…das waren so komische Pioneer Teile.
Mit Cds auflegen dachte ich damals…tsss wer macht schon sowas!
Leute echt jetzt, beleuchtet dieses Thema mal aus einer anderen Sicht;
Schlagworte wie “Vinyl hat mehr Druck” “klingt wärmer” und mein Lieblingszitat “hat mehr Dynamik” fallen immer wieder….
Vergesst das ganz schnell!
Dynamik ist, um es klar zustellen, der unterschiedliche Lautheitsgrad einzelner Teile innerhalb eines Musiktitels.
Das heisst auch, ein Element kann mal lauter mal leiser sein. Es hat genug Platz um “in” die Musik zu hören.
Diese Dynamik wird heute während der Komposition schon mal vernichtet, wie bei den DJs braucht mal als Produzent ja nur ein Macbook und Maschine, schon kann ich mich Produzent nennen. FAIL!
Hier! Hör mal meinen neuen Track! Hämmert brutal oder? Dicke Bassline auf noch dickere Kickdrum…etc..
Ähm ja…und ich hab dann den Salat wenn ich wieder einen gesichtslosen Track zum Mastering bekomme.
Klar zahlen mir die Kunden dann die Zeit die ich für klangverbessernde Bearbeitungen berechne. Aber wehe ich zieh am Schluss nicht den Limiter hoch, dann krieg ich innert Minuten einen Anruf vom “Produzenten” dass das Teil nicht schiebt, kein Druck hätte…Joa..was dann gefordert ist, stellt die Debatte über den besseren Klang einfach mal zurück, ich muss dann noch mal ins Master und dort die DYNAMIK des Tracks vernichten.
Denkt mal da drüber nach.
Ach ja, solche Dynamikbegrenzer laufen übrigens in einem Club auch im PA-Rack, so hat die Musik über die ganze Nacht einen gleichmässigen Pegel..Summasummarum: Dynamikbegrenzte Musik läuft in einem Club durch Dynamikbegrenzer.
Im übrigen landen die gleichen Masterfiles für Vinyls auch auf CD oder im digitalen Vertriebszweig.
Nur wenige Labels zahlen zwei Masterings, eines für Vinyl, welches man anders mischen oder mastern soll und eines für den digitalen Weg.
Ich lege heute immer noch auf, mal mit Platten mal mit Controller.
Der Stellenwert eines DJs ist nicht mehr festgelegt mit was man antanzt.
Wir haben ja auch 2013, MKs werden nicht mehr hergestellt, und diese komischen Pioneer CD Player sind ja so teuer..da kauft man sich für 100 Kröten einen Controller, die Tracks zum auflegen gibts sicher irgendwo als torrent oder man rippt das ganze bei youtube…
Zum Glück gibts noch genug Leute die das komplett anders sehen, ich bin jedem einzelenen davon sehr dankbar!
Aber wehe ich spiel mal ne eigene Produktion, mein Kopf denkt dann gleich…hmm ich könnte das noch lauter produzieren…ähm nein
Beispiel1: Wer mal Dynamik bei Techno erleben möchte, sucht mal im youtube nach einem track von jiri ciever – loom 1, dreht einfach während der ersten 30 sek. die anlage hoch…lasst die lautstärke da und sucht nacher nach irgendeinem track von david guetta…
Beispiel 2: Ihr sucht euch im youtube einen Track von David Guetta und dreht die Anlage so leise, dass ihr gerade noch so etwas hört, danach startet ihr den track von jiri ciever, ihr solltet immer noch die unterschiedlich lauten Elemente bei jiri ciever raushören können, während ihr bei Guetta warscheinlich nicht mal hört ob da Hall oder Echo auf der Stimme liegt da der Track so “Druck” hat.
Beispiel 3: hört mal während 2-3 Tagen bewusst keine Musik, also kein iPod aufm Arbeitsweg, kein Radio, keine CD, kein MTC..bewusst verzichten. Schwierig aber es geht.
Dann zieht euch mal Chris Jones – roadhouses & automobiles rein, auch wenn euch die Musik nicht gefällt, das ist Gehörtraining.
Danach reicht ein Titel von eurer aktuellen Platten-/Trackauswahl.
Mehr muss man dann nicht mehr sagen..
@jan: toller Kommentar, sehr geil. Vielen Dank! Mit dem Aspekt hast du recht, das ist ein Problem manchmal. genau wie übrigens Clipping, manche Tracks clippen schon ab Werk, da denk ich mir schon manchmal “gehts noch”?
Wozu sich das Leben schwer machen und viele Platten mitschleppen wenn es auch anders geht? Als hauptberuflicher mobiler DJ baue ich pro Woche 2-3 Mal meine Technik auf und ab und bin mehr als froh auf ein MacBook samt hochwertiger DENON-Konsole zurückgreifen zu können. Und im Endeffekt zählt ja auch was aus den Boxen rauskommt und wie das beim Kunden ankommt…
Zum Thema klang muss ich sagen, dass sich die Produktionstechniken wesentlich verändert haben. Mir fällt das in letzter Zeit immer bei Robert Hood auf, wenn ich seine Releases aus den 90′er-Jahren mit den letzten vergleiche. Der Sound heute ist viel knackiger und es wird mit viel mehr Effekten gearbeitet als das früher der Fall war (mit Ausnahmen…). So werden beispielsweise kaum noch analoge Monogeräte verwendet und das Mixing und Mastering findet mit High-End-Plugins am Rechner statt. Auch der Output von Soundkarten ist heute ein anderer als in den frühen 90′ern. Das hört man dann natürlich, ganz egal ob auf Platte oder im mp3-File.
Ein gutes Beispiel für nahezu perfektes Abmischen ist für mich immer noch Cheek’s “Venus (Sunshine People).
http://www.youtube.com/watch?v=ssouVC2hpM4
dj’s wie sich die meisten jetzt nennen, all das wird immer mehr zum status…auf facebook als erstes vor den namen noch ein “deejay” und du bist mit deinem traktor schon ein szenentyp
jeder der jetzt aber gross herumplagaret er lege noch oldschool mit platten auf ist nicht besser. auch er will sich nur als möchlichst cool und profesionel wirken…status halt. aber wie oben schon erwähnt ist es nicht verkehrt mit der zeit zu gehen. die kust bleibt die gleiche wie früher, den sound fühlen!