Bayreuth, was geht?
Hmm.. Der Versuch, Bayreuth bei der RW-Party mit ein bißchen anspruchsvoller Musik zu infiltrieren ist mir gestern abend zum Teil gelungen. Uni-Parties sind natürlich immer eine Gratwanderung, und man kann es nie allen recht machen. Deshalb an dieser Stelle ein großes Lob an die Fachschaft RW für den Mut, die Peak-time des Abends mit mir als DJ der elektronischen Musik zu besetzen.Bei einem Großteil der Gäste kam dies auch gut an – das Feedback insgesamt war, wenn ich Bilanz ziehe, eindeutig positiv.
Stellenweise kam mir dies aber nicht so vor, denn gestern hatte sich eine beträchtliche Fraktion des anderes Geschlechts gegen mich verschworen. Im 5-Minuten-Takt kamen penetrant bettelnde bis aggressiv fordernde betrunkene junge Mädchen ans Pult um zu fragen, wann denn nun wieder Black gespielt wird. Ungelogen, es war eine regelrechte Invasion von sich-Black-wünschenden Mädels – das nahm schon groteske Ausmaße! Ich dachte teilweise “die wollen mich verarschen, das KANN doch nicht sein”: kaum war die eine weg, kam auch schon die nächste! Dazu kam dann von einer Seite der Wunsch nach kommerziellem House, von der anderen Seite der Wunsch nach härterem House und Elektro, der eine kam an und wollte Rock hören und wiederum ein anderer zog ein Gesicht als ob ihm jemand in die Eier getreten hätte und fragte mich bestimmt 8 Mal, wann ich denn endlich “tanzbare Musik” spiele – und das, während in seinem Rücken die Leute alle tanzten. LOL! Jeder unabhängige Beobachter musste zu dem Schluss kommen, dass die Musik grottenschlecht war und niemandem gefallen hat!
Der gestrige Abend hat mich bestimmt einige Jahre meines Lebens gekostet, und eins ist klar: sollte ich nochmal auf solch einer Party auflegen, dann werde ich es zur zwingenden Voraussetzung machen dass auf dem Werbeplakat die Musikrichtung angegeben wird. Wenn der Veranstalter den Mut hat, House auflegen zu lassen, dann sollte man auch diesen nächsten, logischen Schritt gehen. Dann bleiben zwar ein paar Leute der Party fern, aber andere wiederum, die eben die Musik gerne hören und sonst nicht gekommen wären, lockt man so aus ihrem Versteck hervor. Das Ergebnis: ein Publikum, das auf die Musik eingestellt ist und wegen (oder trotz) der Musik dort ist, und dadurch deutlich weniger Beschwerden! Eine klare Kommunikation ist das A und O. Und das beste: kein Teenie-Girl kann dann mehr kommen und mich mit Fragen nerven wie “spielst du mal was von Lady Gaga” oder “hast du das neue von Eminem”. Meine Meinung: Lady Gaga und Eminem laufen auf Radio Galaxy und MTV und überall rauf und runter, und haben auf einer anspruchsvollen und ernstzunehmenden Party nichts zu suchen. Im Restaurant bestellt man doch auch nicht das, was man jeden Tag zuhause isst, sondern etwas, das man nicht alle Tage kriegt! Das ist doch der Sinn eines Restaurantbesuchs! Sich im Club das Lied Pokerface zu wünschen, das ist so als würde man in ein Restaurant gehen und sich eine Fertigsuppe bestellen oder eine Tiefkühl-Pizza. Aber, wie gesagt, das ist nur meine Meinung.
Und zu der stehe ich.
Aber natürlich gilt mein großer Dank den ganzen feierfreudigen Leuten, die ziemlich gut abgegangen sind – besonders auf dem mittleren Podest: ihr wart der Hammer! Dass die Tanzfläche um halb 5 noch fast voll war hätte ich nicht erwartet – und das ganz ohne Pokerface!


